Magnesiumstearat - Wirklich so schädlich?

28.07.2017 00:15

Magnesiumstearat  - ein vieldiskutiertes Trennmittel

Ein Inhaltsstoff von Nahrungsergänzungsmitteln, welcher immer wieder diskutiert wird: Magnesiumstearat. Dabei handelt es sich um das Magnesiumsalz der Speisefettsäure. Dieser Füllstoff wird in der Lebensmittelindustrie verwendet und besteht aus Magnesium und aus Stearinsäure. Stearinsäure kommt genau wie Magnesium auch in natürlichen Lebensmitteln wie im Kokosöl vor. Allerdings herrscht immer wieder Unsicherheit: Ist Magnesiumstearat jetzt schädlich oder doch nicht? Die Verbraucher werden durch Marketingkampagnen von Produkten verunsichert, die diesen Füllstoff nicht verwenden und anprangern. Daher soll im Folgenden erklärt werden, was Magnesiumstearat genau ist und wofür es verwendet wird. Und natürlich wird auch die Frage beantwortet, ob dieses Trennmittel wirklich schädlich für die Gesundheit ist oder nicht.

Magnesiumstearat in der Lebensmittelindustrie

In der Lebensmittelindustrie werden verschiedene Inhaltsstoffe gezielt zusammengemischt und in eine bestimmte Form gepresst. Damit die einzelnen Stoffe nicht verkleben, wird ein Trennmittel benötigt. Ohne ein solches Trennmittel verkleben die Inhaltsstoffe nicht nur, das gesamte Verhältnis der Stoffe in einer Kapsel oder Tablette würde sonst nicht mehr stimmen. Ohne ein solches Fließmittel kann daher nicht garantiert werden, dass wirklich eine gesunde Menge an Vitaminen oder Mineralien in den Kapseln enthalten sind. Dafür gibt es durchaus auch andere synthetische Alternativen, doch in sehr vielen Fällen wird Magnesiumstearat verwendet. Durch diesen Füllstoff oder vielmehr Fließstoff verkleben die einzelnen Bestandteile der Mischung nicht.

Daher kommt das Magnesiumstearat sehr oft bei Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz. Bei diesen ist es schließlich erforderlich, dass eine exakte Menge von jedem einzelnen Inhaltsstoff der Masse beigefügt wird. Diese Masse muss anschließend noch in die Form von Kapseln oder Tabletten gepresst werden. Insgesamt kommt der Füllstoff in mehr als 90 % aller Nahrungsergänzungsmittel vor. Im heimischen Gebrauch sind solche Trennmittel sicherlich nicht erforderlich – in der Lebensmittelindustrie geht es aber nicht ganz ohne. Wie viele andere Zusatzstoffe bei Nahrungsmitteln oder in diesem Fall Nahrungsergänzungsmitteln wird auch das Magnesiumstearat stetig neu diskutiert. Es ist für Verbraucher schließlich nicht wirklich einfach zu erkennen, ob es sich wirklich um einen schädlichen Inhaltsstoff handelt oder nicht.

Wie wird Magnesiumstearat eingesetzt?

Magnesiumstearat wird vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt. Es handelt sich um ein Trennmittel oder auch um ein Fließmittel. Dabei sorgt es dafür, dass die einzelnen Inhaltsstoffe nicht verkleben und problemlos in die gewünschte Form gebracht werden können. Auch zum Schutz der Maschinen bei der Herstellung ist Magnesiumstearat sehr wichtig. Ohne dieses Salz können die Maschinen durch die Inhaltsstoffe verkleben und dadurch beschädigt werden. Darüber hinaus handelt es sich beim Magnesiumstearat letztendlich um einen Zusatzstoff, der in seinen einzelnen Bestandteilen auch in natürlichen Lebensmitteln vorkommt.

Letztendlich kommt Magnesiumstearat in dieser kombinierten Form nicht in natürlichen Lebensmitteln vor. Es besteht zu 4 % aus Magnesium und zu 96 % aus Stearinsäure. Die Stearinsäure kommt in recht großen Mengen in Lebensmitteln wie Salami, Vollmilchschokolade, Camenbert und Kokosöl vor. Magnesiumstearat wird chemisch hergestellt und auf der Verpackung mit der Abkürzung E572 gekennzeichnet. Wenn dieser Inhaltsstoff genannt wird, handelt es sich daher um Magnesiumstearat. Dieses Füllmittel wird chemisch hergestellt, allerdings ist der menschliche Körper durch die genannten Bestandteile durchaus in der Lage diesen zu verstoffwechseln. Weder bei Magnesium noch bei Stearinsäure handelt es sich um einen schädlichen Inhaltsstoff, ganz im Gegenteil beide Bestandteile können vom Körper aufgenommen und verarbeitet werden. Im Vergleich zu anderen synthetischen Ersatzstoffen ist das Magnesiumsalz damit sicherlich die gesündere Wahl.

Ist Magnesiumstearat wirklich gefährlich?

Immer wieder wird jedoch gesagt, dass es sich bei Magnesiumstearat um einen gesundheitsschädlichen Inhaltsstoff handelt. Dieser steht unter Verdacht Allergien auszulösen und andere negative Eigenschaften mit sich zu bringen. Daher werden an dieser Stelle die Herkunft dieser Annahmen genau wie die Wirklichkeit erläutert.

Es handelt sich letztendlich um einen vieldiskutierten Inhaltsstoff, weil Experimente an Mäusen mit Stearinsäure durchgeführt wurden. Allerdings mit Stearinsäure und nicht mit Magnesiumstearat, worin eindeutig ein Unterschied besteht. Die Resultate dieser Experimente werden gerade von Gegnern des Salzes sehr häufig zitiert und immer dann herangezogen, wenn die Verbraucher vom schädlichen Einfluss überzeugt werden sollen. Allerdings gibt es mehrere Einflussfaktoren dieser Experimente, die problematisch sind.

Letztendlich wurde mit Mäusezellen experimentiert und wir Menschen sind keine Mäuse. Damit reagieren die Zellen oder die Körper von Mäusen auch ganz anders auf das Magnesiumstearat als es bei Menschen der Fall ist. Außerdem wurde bei den Experimenten reine Stearinsäure in einer sehr hohen, im Normalfall so nicht vorkommenden Menge verwendet. Das Endergebnis dieser Studie wird nun oft genannt und in diesem Zusammenhang wird Magnesiumstearat als schädlich bezeichnet. Allerdings gibt es bislang keine Beweise, dass dieser Zusatzstoff auch bei Menschen schädliche Auswirkungen hat.

Grundsätzlich beruht die Annahme der Schädlichkeit von Magnesiumstearat auf den durchgeführten Experimenten mit Mäusen, die vor einigen Jahren mit Stearinsäure gemacht wurden. Diese Annahmen wurden allerdings später vom verantwortlichen Arzt zurückgezogen. Das Problem ist zunächst einmal, dass keine Experimente mit Magnesiumstearat durchgeführt wurden, sondern mit Stearinsäure, die in vielen natürlichen Lebensmitteln vorkommt. Dann wurden die Zellen der Mäuse regelrecht mit dieser Säure überflutet, wodurch sich gesundheitliche Nachteile ergaben. Zunächst einmal ist es für uns Menschen gar nicht möglich, unsere gesamten Zellen mit Stearinsäure zu überfluten. Zum anderen können Menschen die Stearinsäure aufspalten, Mäuse jedoch nicht.

Kurz zusammengefasst gibt es damit keinen Beleg dafür, dass Magnesiumstearat oder Stearinsäure zu gesundheitlichen Nachteilen beim menschlichen Körper führen. Bei Mäusen ist dies der Fall, allerdings auch nur, wenn extrem hohe Mengen an Stearinsäure verwendet werden. Dies kommt weder bei Nahrungsergänzungsmitteln noch bei natürlichen Lebensmitteln vor. Damit gibt es keine wirkliche Grundlage für die Behauptung, dass Magnesiumstearat ein schädlicher Inhaltsstoff der Lebensmittelindustrie ist.

Oftmals wird angegeben, dass Magnesiumstearat die Aufnahme von Nährstoffen hemmt oder einen schädlichen Biofilm im Darm bildet. Beide Annahmen können in der Realität jedoch nicht bestehen, da auch diese nicht an Menschen getestet wurden und damit keinerlei Grundlage haben. Der Grund für den schlechten Ruf von Magnesiumstearat liegt wohl eher in der allgemein nicht so guten Qualität verschiedener Nahrungsergänzungsmittel. Diese rufen tatsächlich bei einigen Menschen Durchfall oder andere gesundheitliche Probleme hervor. Das liegt dann aber vermutlich nicht am Magnesiumstearat an sich, sondern eher am gesamten Produkt, welches verschiedene chemische Inhaltsstoffe in sich birgt.

Fazit: Unbedenklicher Füllstoff der Lebensmittelindustrie

Durch diese durchgeführten Versuche mit den Mäusen gerät das Magnesiumsalz immer wieder in eine schlechte Presse. Dabei konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass es sich wirklich um einen schädlichen Inhaltsstoff handelt. Vielmehr kommt der Bestandteil Stearinsäure vom Magnesiumstearat auch in vielen natürlichen Lebensmitteln wie im als gesund bekannten Kokosöl vor. Daher kann der Füllstoff nicht grundsätzlich negativ betrachtet werden, da es sich letztendlich nicht um schädliche Inhaltsstoffe handelt. Es ist auch wichtig zu beachten, dass Magnesiumstearat oft gerade von den Unternehmen schlecht dargestellt wird, die diesen Inhaltsstoff nicht verwenden. Es handelt sich daher auch um eine Art Marketingstrategie.

Grundsätzlich ist das Magnesiumsalz daher unbedenklich, da keine negative Wirkung auf den menschlichen Körper nachgewiesen werden konnte. Gerade weil wir keine Mäuse sind, kann die Wirkung auf den Menschen nicht mit der Wirkung auf Mäuse gleichgesetzt werden. Die Lebensmittelindustrie verwendet den Füllstoff, damit die einzelnen Inhaltsstoffe nicht verkleben und die Bestandteile stimmen. Angst um die eigene Gesundheit muss daher nach aktuellen Forschungsstand niemand durch die Einnahme von Magnesiumstearat haben.

Quellennachweise:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1384169/pdf/immunology00130-0101.pdf
http://www.clinicaleducation.org/news/a-new-perspective-why-i-believe-magnesium-stearate-is-safe-by-dietrich-klinghardt-md-phd/