Mariendistel – eine Heilpflanze der besonderen Art

04.09.2018 15:23

Die Geschichte der Mariendistel

Die ursprüngliche Heimat der Mariendistel ist der Mittelmeerraum. Die Pflanze bevorzugt Wärme und nährstoffreiche Böden. Auch in Mitteleuropa hat sich diese Distelart an guten und sonnigen Plätzen verbreitet. Bis zu 1,5 Meter hoch kann die Mariendistel (Silybum marianum) werden, ihre Blätter glänzen grünlich und an den Blattnerven zeigen sich weißliche Flecken. Der Stängel ist aufrecht und verzweigt. Die Blüten sind kugelförmig, purpurrot und umgeben von spitzen Hüllschuppen. Diese Distelart blüht im Sommer und gehört, wie der Löwenzahn zu den Korbblütlern. Die Früchte der Pflanze sind länglich und glatt, sie bilden einen weißen Pappus und glänzen dunkelbraun. Die Pflanze ist an den weiß marmorierten Blättern zu erkennen. Der Legende nach soll Maria beim Stillen ihres Sohnes, Jesu, ein paar Tropfen Milch auf eine gewöhnliche Distel getropft haben. Die beim Menschen eigentlich unbeliebte Distel, fühlte sich geehrt und bildete ab dann, statt der rein grünen Blätter, nun grün-weiß gefärbte Blätter. Diese Distelart ist bekannt als natürliches Stärkungsmittel, insbesondere der Leber. Doch Forscher aus dem Krebszentrum der Universität von Colorado haben unlängst hochinteressante Neuigkeiten präsentiert. Offenbar gelingt es mit dem Einsatz der Mariendistel, den Körper auch in anderen Belangen zu unterstützen. Im Kampf gegen den Darmkrebs kann diese Distelart Beachtliches dazu beitragen.

Lebererkrankungen sind auf dem Vormarsch

Die weit verbreitetsten Lebererkrankungen sind Fettleber, Leberzirrhose (Schrumpfleber), Leberkrebs und Leberentzündungen (Hepatitis). Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind die Symptome im frühen Stadium. Dies kommt dadurch zustande, dass die toxischen Substanzen, bedingt durch die geschwächte Leber, nicht rasch genug abgebaut werden können. Ihre Aufgabe jedoch wäre es, den Körper zu entgiften, die Verdauung zu fördern und den Fettstoffwechsel zu regulieren. Bei einer Leberüberlastung können genetische Faktoren eine Rolle spielen. Aber auch zu viel Zucker, zu wenig Obst und Gemüse sowie mangelnde körperliche Bewegung bilden Risikofaktoren für eine Leberüberlastung. Medikamente, zu viele Kohlenhydrate (z. B. Getreideprodukte, Zucker und Kartoffeln) und zu viele Fructose haltige Getränke führen zu einer gravierenden Überlastung des Entgiftungsorgans im menschlichen Körper. Funktioniert aufgrund der Leberüberlastung die Verdauung nicht mehr perfekt, so sind die Folgen Oberbauchschmerzen, Völlegefühl und Blähungen. Mit dem Einsatz von Mariendistelfrüchten übt das darin enthaltende Silymarin einen leberschützenden Effekt aus. Es stabilisiert die Oberflächenstruktur der Leberzellmembranen und verhindert somit, dass toxische Stoffe eindringen. Die Mariendistel wirkt antioxidativ und regt die körpereigene Antioxidantienproduktion an. So werden freie Radikale neutralisiert, oxidativer Stress der Zellen gemindert. Zudem wird die Regenerationsfähigkeit und die Bildung neuer Zellen in der Leber erhöht. Mariendistelfrüchte sollten jedoch nie ohne Rücksprache mit dem Hausarzt zum Einsatz kommen. Gegen diverse Beschwerden hingegen, wie Völlegefühl und Blähungen, hilft ein Tee mit dieser Heilpflanze hervorragend. Bei einer Lebervergiftung, ausgelöst durch den Verzehr eines Knollenblätterpilzes, werden in der Klinik mitunter Präparate verabreicht, mit dem isolierten Inhaltstoff Silybinin, einem Bestandteil der Mariendistel.

Nutzwertige Pflanzenteile und Inhaltsstoffe

Für medizinische Zwecke kommen vorrangig die Samen der Mariendistel infrage, denn sie enthalten bis zu drei Prozent Silymarin. Dieses Wirkstoffgemisch setzt sich aus verschiedenen Flavonoiden zusammen. Außerdem stecken in ihnen reichlich Eiweiß und fettreiches Öl, das aus Fettsäuren wie Öl- und Linolsäure besteht. Die Fruchtschalen der Distel enthalten Schleim- und Bitterstoffe, Vitamin E und Sterole. Für die Galle ist die Distel ebenso von großem Wert, denn die Inhaltstoffe (Silymarin) fördern sowohl die Ausscheidung von Gallensaft als auch dessen Produktion.

Anwendungsgebiete in der Volksmedizin

Für Heilzwecke wurde die Mariendistel schon in der antiken Welt genutzt. Neben der Funktion als Stärkungsmittel für stillende Mütter, als Antidot (Gegengift) bei Pilzvergiftungen und leberreinigendes Mittel finden sich weitere Anwendungsbereiche in der Volksmedizin. So wird diese Distelart mitunter verwendet bei Milzleiden, Krampfadern, Beschwerden der Galle, Magen-Darm-Beschwerden, Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Migräne, bei Seitenstechen infolge einer Lungen- oder Rippenfellentzündung und bei Malaria. Die ärztliche Erfahrungsheilkunde stützt innerhalb der Volksmedizin die verschiedenen traditionellen Anwendungsbereiche. Doch bislang ist die Mariendistel als Leber-Heilpflanze wohl am besten untersucht.

Das Bundesgesundheitsamt hat die hohe Wirksamkeit der Heilpflanze bei etlichen chronischen Leberentzündungen und toxischen Leberschäden bestätigt und hat sie als „offizielle Heilpflanze zur inneren Anwendung“ anerkannt. In der Homöopathie wird die Distel als „Carduus marianus“ bei Gallenerkrankungen, Hämorrhoiden, Lebererkrankungen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt.

Der Einsatz bei Krebs

Hinsichtlich des Darmkrebses kann die Mariendistel bzw. Silymarin hilfreich sein. Studien haben ergeben, dass Silymarin die Zellsignale beeinflusst, die dafür verantwortlich sind, dass sich Darmkrebszellen bilden und wachsen. Das Tumorwachstum kann merklich verlangsamt werden und die Tumore zeigen eine verminderte Neigung zur Metastasierung. In Tierversuchen konnte zudem festgestellt werden, dass dank Silymarin weniger Krebsstammzellen vorhanden und die Tumore wesentlich kleiner waren.

In Modellversuchen zeigte sich ebenfalls, dass das Silymarin der Mariendistel, oxidativen Stress der Haut mindert, die Teilung von Hautkrebszellen hemmt, krebsfördernde Botenstoffe blockiert und die körpereigene Produktion von Antioxidantien fördern und somit den Schutz der Haut verstärken kann.

Außerdem werden Mariendistelpräparate in der Prävention und Therapie von Prostatakrebs eingesetzt. Das enthaltene Silymarin kann das Wachstum von Prostatakrebszellen hemmen und gleichzeitig die schulmedizinischen Medikamente unterstützen. So ist Mariendistel ein gutes Mittel, welches in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht werden kann, zumal es auch noch chemotherapiebedingte Leberschäden verringern kann.

Fazit

Die Anwendungsgebiete der Mariendistel werden je nach Studienlage hinsichtlich der Wirksamkeit in drei Kategorien sortiert. Die gesicherte Wirksamkeit bezieht sich auf toxische Leberschäden und Verdauungsbeschweren sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit. Als unterstützende Therapie dient das Heilkraut gegen chronisch entzündliche Lebererkrankungen und Leberzirrhose. Die Wirksamkeit laut der Erfahrungsheilkunde bezieht sich auf funktionelle Störungen der Gallenwege, Hepatitis C und Fettleber. Zudem hat die Heilpflanze ein hohes Potenzial, um Leiden wie Hypotonie, Migräne, Verstopfung und Rheuma entgegen zu wirken.

Die Mariendistel wird in den Gärten Mitteleuropas nicht nur als wunderschöne Zierpflanze genutzt, sondern auch als Arznei gegen allerlei Beschwerden und Krankheiten. Die Medizin und Forschung arbeiten mit dem Inhaltstoff Silymarin und es wird versucht, die besondere Wirkung für weitere Anwendungsmöglichkeiten zu nutzen. Ist doch sprichwörtlich gesagt, für jedes Leiden ein Kraut gewachsen. Die Leber und die Galle sind für den menschlichen Körper wichtige und unverzichtbare Organe. Die Mariendistel kann aufgrund ihrer Wirksamkeit zur Beschwerdelinderung oder gar Genesung dieser Organe wesentlich beitragen.

Quellen- & Studiennachweise:

https://www.mayoclinic.org/drugs-supplements-milk-thistle/art-20362885

Immunostimulatory effect of Silybum Marianum (milk thistle) extract.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/12444368/

Chemopreventive Efficacy of Silymarin in Skin and Prostate Cancer http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1534735407301441

Prostate Cancer Prevention by Silibinin http://www.eurekaselect.com/62690/article

A randomized, controlled, double-blind, pilot study of milk thistle for the treatment of hepatotoxicity in childhood acute lymphoblastic leukemia (ALL). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/20014183/

Milk thistle in liver diseases: past, present, future https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ptr.3207