Wie wichtig ist Eisen in der Schwangerschaft?

30.07.2018 10:45

Eisen gehört zu den wichtigen Spurenelementen, die unser Körper benötigt, um gesund zu bleiben. Das meiste Eisen ist im roten Blutfarbstoff enthalten, dem Hämoglobin. Dieses ist für den Sauerstofftransport zuständig. Wenn unser Blut zu wenig Eisen hat, sinkt das Hämoglobin im Blut, die Versorgung mit Sauerstoff ist nicht mehr optimal gewährleistet.

Kann man den Eisenbedarf einfach mit der Ernährung decken?

Das ist gar nicht so einfach. Das meiste Eisen ist in tierischen Innereien enthalten, vor allem in der Schweineleber. Die kann und mag nicht jeder essen. Auch wenn wir als Kinder gelernt haben, dass Spinat besonders viel Eisen enthält und uns stark und fit macht, man denke an den Spinat futternden Seemann, ist es aber leider so, dass nicht alles Eisen aus natürlichen Quellen optimal von unserem Körper verarbeitet werden kann.

Was kann passieren, wenn man während der Schwangerschaft in einen Eisenmangel Zustand gerät?

Oft sind werdende Mütter schon stark körperlich beansprucht. Sie werden schnell müde, Übelkeit in der Schwangerschaft laugt natürlich zusätzlich aus. Eisenmangel kann nun den Schwächezustand verstärken, die Schwangerschaft wird eher als belastend empfunden. Ein starker Eisenmangel kann zu einem schwachen Immunsystem führen, was gerade in der Schwangerschaft besonders schlecht ist, da das Immunsystem in der ersten Zeit der Schwangerschaft sowieso auf Sparflamme läuft, damit der "Fremdkörper" nicht gleich vom Körper entfernt wird.

Eine groß angelegte Studie in Boston hat auch bestätigt, dass zusätzliche Eisengaben während der Schwangerschaft nicht nur Blutarmut, also Anämien, bei den Müttern verhindert, sondern auch das Kind stark profitiert: Das Gewicht der Kinder war höher, es gab wesentlich weniger Mangelgeburten. Der Eisenbedarf bei Schwangeren ist doppelt so hoch. Experten gehen davon aus, dass ca. 30% aller Schwangeren weltweit von einem Mangel betroffen sind. Die Folgen: Der verminderte Sauerstofftransport kommt leider auch beim Fötus an, das verzögert natürlich die Entwicklung.

Die Studien wurden an ca. 18.000 Schwangeren durchgeführt, sie ergaben: Durch die zusätzliche Eisengabe stieg die Hämoglobinkonzentration so gut an, dass Eisenmangel-Blutarmut um 60% zurückging. Auch konnte nachgewiesen werden, dass das Kind mitversorgt wird: Das Geburtsgewicht stieg bei den Probanden an, die Zahl der Kinder, die zu leicht geboren wurden, ging zurück. (Siehe Studie und Quelle 1)

Hier wichtig zu wissen: Schwangere sollten darauf achten, dass bei ihnen nicht nur der Hämoglobin Wert bei den Kontrolluntersuchungen gemessen wird (Hb-Wert), sondern dass der eigentliche Eisenwert kontrolliert wird. Denn häufig bleibt eine Eisenmangel Anämie unerkannt, wenn nur der Hb-Wert ausgewertet wird.

Der Gesundheitsforscher Kirschner erklärt übrigens:  „Die Zufuhrempfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Eisen in der Schwangerschaft sind 30 mg, gegenüber 15 mg vor der Schwangerschaft. Dies erreicht praktisch keine Schwangere durch die übliche Ernährung“ (siehe Quelle 2)

Fazit:

Eisen ist wichtig in der Schwangerschaft. Der Bedarf ist auf jeden Fall erhöht. Allerdings sollte man hier darauf achten, ein gutes Maß zu finden. Denn Eisen kann gespeichert werden, ist nicht wasserlöslich. Ein zu viel davon kann schädlich sein, was sich wiederum in Übelkeit oder starker Verstopfung, welche man gerade in Schwangerschaften gar nicht brauchen kann, äußert.

Hier wird von Experten empfohlen, Eisen lieber nicht täglich zu sich zu nehmen, sondern lieber 1 -2 mal pro Woche.

Richtig dosiert, kann Eisen einen wertvollen Beitrag leisten, um die werdende Mutter und natürlich auch ihr Kind optimal zu versorgen.

Quellen- & Studiennachweise:

Studie 1: https://www.bmj.com/content/346/bmj.f3443

Quelle 2: https://deutsch.medscape.com/artikel/4901266